Vom Ausflug zum Raketen-Alarm
DVHL-Generalsekretär Matthias Vogt berichtet von der erneuten Eskalation
Es war ein entspannter Sonntag, in Jish, einem kleinen Ort, ganz nah an der Grenze zum Libanon im Norden Israels. Wir waren zu Gast bei Sharbel Yacub, dem Direktor unseres Pilgerhauses Tabgha, und seiner Familie. Abends kehren wir zurück an den See Genezareth. Kaum haben wir unser Zimmer bezogen, da kreischt das Handy und kündigt einen Alarm für den Norden Israels an. Wir gehen zum Schutzraum und schauen dabei in den Himmel. Orangefarben ziehen die Raketen aus dem Iran kometengleich, aber bedrohlich über den Nachthimmel Richtung Haifa. Dann das Donnern der israelischen Abfangraketen. Wir schließen die Tür des Shelters. Nach zehn Minuten sollen wir eigentlich wieder raus dürfen, doch kurz vor Ende der Frist meldet das Smartphone den nächsten Alarm. Wir bleiben also. Dann ein dritter Angriff. Am Himmel rumpelt es, wenn die Raketen abgeschossen werden. Nach etwas mehr als 30 Minuten können wir den Schutzraum verlassen und gehen in unsere Zimmer zurück. Werden wir die Nacht durchschlafen können oder bereits in Kürze wieder in den Schutzraum müssen? Hier im Norden bleibt die Nacht ruhig, aber im Zentrum und Süden Israels gibt es weitere Angriffe, wie wir am Montagmorgen sehen.

In der Frühstückspause
Unsere dienstlichen Termine sind weitgehend abgesagt. Die Gesprächspartner, die aus Haifa und Akko anreisen wollten, konnten angesichts der Sicherheitslage nicht kommen. Ich setze mich mit den Mitarbeitern des Pilgerhauses zur Frühstückspause zusammen, um zu hören, wie sie die vergangene Nacht erlebt haben und wie es ihnen insgesamt geht. Kaum haben wir einige Minuten gesessen, geht der Alarm schon wieder los. Gemeinsam gehen wir zum Shelter. Diesmal dauert es nur 15 Minuten, da kann man anschließend seinen Kaffee noch austrinken.
Ich setze mich auf die Terrasse des Pilgerhaus und nutze die freie Zeit, um etwas am Computer zu arbeiten. Um 12 Uhr läuten die Schwestern die Glocke der Kapelle zum Angelus-Gebet. Am frühen Nachmittag steht noch ein Besuch im Kloster Tabgha der Benediktiner und ein Solidaritätsbesuch bei den philippinischen Schwestern auf der Tagesordnung. Die Schwestern haben die Angriffe wieder in ihren kürzlich angeschafften Shelter verbringen müssen. Gut, dass er dank ihrer Spenden seit letztem Jahr direkt vor dem Schwesternhaus steht.
Am Dienstag geht es über die Grenze nach Jordanien und von Amman am Mittwoch zurück nach Deutschland, wenn nicht die Grenzposten oder die Flüge noch gestrichen werden. In Israel wird das öffentliche Leben schon wieder heruntergefahren. So mussten auch die Schulen heute geschlossen bleiben, darunter auch unsere Schmidt-Schule in Jerusalem. Jetzt können wir nur hoffen, dass es bald vorbei ist und den Menschen im Nahen Osten nicht eine weitere Spirale der Gewalt droht. Die täglichen Angriffe auf den Libanon und den Gazastreifen sowie die Siedler-Gewalt im Westjordanland waren schon schlimm genug.