Weihnachtsimpuls

 

 

Weihnachten: Frech achtet die Liebe das Kleine

 

von Ludger Bornemann, Geistlicher Leiter des DVHL

 

Hinuntersteigen muss man in eine Krypta, wie in St. Gereon in Köln. Hinuntersteigen – und dann geht’s noch weiter runter auf die Erde. Man muss etwas suchen, um dann in der Nähe des Altars die alten Mosaiken zu finden, die Szenen von Samson aus dem Buch der Richter zeigen, und – David, wie er mit Goliath kämpft.

 

Was das mit Weihnachten zu tun hat?

 

Immerhin, auch in Bethlehem muss man hinuntersteigen in die Krypta der Geburtskirche, dann etwas suchen und sich dann bücken, um auf der Erde den Stern zu entdecken. Der zeigt den Ort der Geburt Jesu an – mit 14 Strahlen.

 

Warum grade 14?

 

Auf Hebräisch kann man die 14 דוד schreiben, das bedeutet dann 14 – aber gleichzeitig kann man es auch als ‚David‘ lesen. Der Evangelist Matthäus beginnt sein Evangelium mit dem Stammbaum Jesu und schreibt von dreimal 14 Generationen, ausgehend von Abraham. Über David und die babylonische Gefangenschaft endet es mit Joseph von Nazaret.

 

Jesus ist also ‚dreimal 14‘ und so auch ‚dreimal David‘ – und wie David wird auch er in Betlehem geboren.

 

Die Bibel erzählt, wie der Prophet Samuel nach Betlehem geschickt wird. Dort soll er, nach dem Versagen König Sauls, nach einem neuen König Ausschau zu halten. Er trifft Isai, der seine sieben Söhne vorzeigt, ansehnliche Kerle – aber Samuel hat von Gott den Auftrag bekommen: „Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt ... Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der HERR aber sieht das Herz.“ (1. Sam 16,7) Und so hört Samuel vom achten, dem jüngsten und kleinsten Sohn Isais, der noch draußen bei den Schafen ist – aber genau der Jüngste wird der neue König sein: David, der kleine Hirtenjunge.

 

Und als die Israeliten sich vor den feindlichen Philistern und deren hochgerüsteten Helden Goliath nur noch fürchten und sich von ihm verhöhnen lassen – da kommt der kleine Hirtenjunge ohne Rüstung, aber im Vertrauen auf seine Kräfte und auf die Kraft des lebendigen Gottes. So will er den Kampf mit Goliath aufnehmen. Eine fremde Rüstung passt nicht, frech sucht er sich selbst seine Waffen: fünf Kieselsteine aus dem Bach und seine Schleuder. Und das Unmögliche geschieht: Goliath wird besiegt mit Davids Schleuder und einem Stein!

 

Die Bibel will Hoffnungsgeschichten erzählen. Geschichten, die es wagen, den Blickwinkel zu ändern: Nicht die Gewalt, nicht der Stärkere, das, was Angst macht, setzt sich durch – der lebendige Gott steigt aus diesem Kreislauf aus und vertraut auf die wehrlose Kraft der Liebe.

 

Vielleicht kann man in den fünf Kieselsteinen Davids auch eine Anspielung an die fünf Bücher Mose sehen, in denen ja immer wieder ‚unmögliche Geschichten‘ erzählt werden – weil Gott nicht aufhört, schöpferisch zu sein. Er sagt ja immer wieder neu „Es werde!“

 

Und so wird auch Jesus den Blick haben auf den kleinen Jungen mit den fünf Broten und den zwei Fischen. Und er wird schauen auf das kleine Mädchen, um das sie schon trauern, und wird ihm sagen „Talita kum!“: „Mädchen, steh auf!“ Schließlich wird er selbst den größten Goliath, den Tod, besiegen.

 

Vor ein paar Jahren waren wir am Nachmittag des Heiligen Abend in Betlehem: Es wird am Stadtrand nach Jerusalem hin (heute der Checkpoint am Baby Hospital) der lateinische Patriarch abgeholt. Ganz Betlehem ist auf den Beinen. Alle Pfadfinder, Scouts, begrüßen ihn mit ihren Spielmannszügen und fröhlicher lauter Musik! Die einheimische christliche Bevölkerung, die kleine Minderheit, steht heute stolz im Mittelpunkt. Und mir fiel ein kleines Mädchen im Spielmannszug auf, viel zu klein für die große Pauke, die sie schlug – aber sie strahlte übers ganze Gesicht und hörte nicht auf, den Takt anzugeben für die großen Jungs mit Flöten und Trompeten ...

 

Weihnachten will uns sagen „Fürchtet euch nicht!“ vor den Goliaths, den Mauern, den dicken Brocken, die Angst machen. Wage den Blickwechsel: Seine wehrlose Liebe ist stärker! Vertraue ihr – frech achtet die Liebe das Kleine!

 

 

 

 Bildquelle: Archiv der Kirchengemeinde St. Gereon, Köln

 

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