Eine (nicht nur musikalische) Sternstunde

Text: Pfr. Dirk Peters (Schulseelsorger der Erzb. Ursulinenschulen, Köln)

 

Sternstunden, die kennen wir, hoffentlich alle. Wir sprechen von Sternstunden der Menschheit, denken an Sternstunden, die wir selbst erleben durften und spüren, dass dies wunderbare Momente und Erfahrungen des Menschseins sind. Sternstunde kommen nicht alle Tage; aber man kann noch Jahre davon erzählen. Sie sind wie ein Geschenk des Himmels.

 

Eine solche Sternstunde durften wir (alle Mitwirkenden und Zuhörer) am 3. Adventsonntag 2017 in der Minoritenkirche mit der Aufführung der Kantaten I-III des Weihnachtsoratoriums von J.S. Bach erleben.

 

Dass das Projekt von Anfang an unter einem guten Stern stand, war nicht nur der Tatsache zu verdanken, dass auf dem Vierungsturm des Kölner Domes der Stern von Bethlehem über Köln steht und eine direkte Verbindung zu unserer Partnerschule, der Schmidtschule in (Ost-)Jerusalem darstellt, die nur 10 KM von Bethlehem entfernt liegt, sondern auch vielen äußeren Bedingungen, die die Realisierung dieses großartigen Musikprojektes erst möglich machten. Dass die Musik zu einem völker- und religionsübergreifenden Schlüssel für Dialog und Verständigung werden kann, ist bekannt. Umso mehr, wenn auch ihre inhaltliche Botschaft dem Frieden und dem Friedensfürsten auf die Spur kommt und von jungen Menschen adaptiert wird, die der Vision von einer friedvollen Welt ihr Gesicht und ihre Stimme zu geben vermögen.

 

Dass der Stern aber so hell leuchten sollte, an jenem 3. Adventsonntagabend, war dann für alle Beteiligten letztlich ein großes Geschenk. Die Minoritenkirche bildete einen passenden, ja feierlichen, Rahmen für die Chöre, Instrumentalisten und Solisten. Der Chor, bestehend aus dem Schulchor unserer Ursulinenschule, Schülerinnen der Schmidtschule und den Männerstimmen des Collegium Cantorum Köln, harmonierten perfekt miteinander und spiegelte direkt mit dem ersten Coros „Jauchzet frohlocket“ die Klangfülle und musikalische Pracht des Werkes wieder. Die Solistenparts wurden mit feinfühliger Empathie gesungen und die Virtuosität und Kreativität der Instrumentalisten, in besonderer Weise der Solotrompete, ließen die Abendstunden zu einem musikalischen Leckerbissen und für mich persönlich zu einer Stunde des innehaltenden Gebetes und des Dankes werden.

Die palästinensischen Gastschülerinnen hatten das Werk bereits im letzten Jahr mehrfach in Jerusalem und Bethlehem gesungen. Ihre Stimmen fügten sich perfekt in die Klangharmonie unseres Ursulinenchores ein, der das Werk in nur knapp vier Monaten einstudierte. Es zeigt sich einmal mehr, wie leistungsfähig und motiviert unsere Schülerinnen sind, wenn es darum geht, auch ungewöhnliche Projekte ganz außergewöhnlich gut zu meistern.

Erwin Meyer, der Musiklehrer der Schmidtschule, empfand es als besonderes Weihnachtsgeschenk dieses Werk mit seinen Schülerinnen jetzt auch noch einmal in Köln mitsingen zu dürfen.

Ja, es war ein ganz besonderes Geschenk für alle Mitwirkenden und Zuhörer - eine Sternstunde der Musik unserer beiden Schulen, die der Stern von Köln und Bethlehem verbindet, der uns die Botschaft von der Menschwerdung Gottes angezeigt hat.

Ich bin mir sicher, dass dieser Abend allen lange in allerbester Erinnerung bleiben wird. Besonderer Dank gilt unseren engagierten Musiklehrern Andreas Förster und Thomas Gebhardt sowie Erwin Meyer die mit großer Akribie und Leidenschaft zum Gelingen dieses Oratoriums maßgeblich beigetragen haben.

Der wahre Stern ist nicht am Himmel zu finden, sondern auf der Erde, in unserem Fleisch und Blut, diese Kernaussage der Weihnachtsbotschaft fand in den Stimmen der Sängerinnen einen würdigen Widerhall, drum „Jauchzet, frohlocket! Auf preiset die Tage. Rühmet, was heute der Höchste getan!“

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