Vielfältige Osterfeierlichkeiten in Jerusalem

 

Wie in frühchristlicher Zeit begleiteten zahlreiche Gläubige am Palmsonntag den Bischof von Jerusalem mit Palm- und Ölzweigen in den Händen von Betfage am Ölberg bis in die Altstadt von Jerusalem. Sie ahmten damit den Einzug nach, bei dem Jesus vor 2000 Jahren von den Jerusalemern begeistert empfangen worden war. Schon früh beeindruckte dieser Brauch die BesucherInnen Jerusalems, so dass er heute in der ganzen Welt in verkleinerter Form praktiziert wird. Die Jerusalemer Prozession ist eine eindrucksvolle ‚Demonstration‘ der fortdauernden, wenn auch bedrohten christlichen Präsenz im Heiligen Land. Deshalb ist gerade den ChristInnen aus den palästinensischen Gebieten eine Teilnahme sehr wichtig – auch wenn inzwischen die Überzahl der PilgerInnen aus aller Welt stammt und diese oft wenig von der Situation vor Ort wissen. Auch deshalb hat die diesjährige Palmsonntagskollekte (www.palmsonntagskollekte.de) in Deutschland wieder auf die schwindende Anzahl an einheimischen ChristInnen aufmerksam gemacht.

 

Palmsonntag ist traditionell der Beginn der ‚großen Woche‘, wie die Karwoche in Jerusalem genannt wird. Darauf folgen die zahlreichen Gottesdienste der verschiedenen Konfessionen und Sprachgruppen. Auch 2019 konnte man zu den Orten gehen, an denen die Ereignisse stattgefunden haben oder an denen sie lokalisiert werden: Am Gründonnerstag zum Abendmahlssaal, zum Garten Getsemane und zum Haus des Kajafas, in dem noch Originaltreppen aus der Zeit Jesu zu finden sind. Am Karfreitag zur Via Dolorosa und nach Golgota, an Ostern zum Grab Jesu. Und ganz gleich, ob man die großen Feiern der Franziskaner mit zahllosen PilgerInnen besucht oder die eher stillen Feiern in den vielen kleinen Kirchen – ein besonderes Erlebnis ist es auf jeden Fall. Aufgrund der besonderen Situation in der Grabeskirche kann man sogar beides kombinieren: So findet die ‚katholische Osternacht‘ dort – wie vor der Liturgiereform – bereits am frühen Morgen des Karsamstags statt. Aufgrund des Status quo zwischen den Konfessionen ist eine Verlegung nicht möglich. In der Nacht kann man dann aus verschiedenen Feiern auswählen: Viele deutschsprachige PilgerInnen und BewohnerInnen Jerusalems versammelten sich um 3:00 Uhr morgens in der Dormitio-Abtei, andere feierten die Auferstehung Jesu im Paulus-Haus, in dem die Feier mit einem Osterfeuer auf der Terrasse mit Blick auf die Grabeskirche begann. In Tabgha dagegen musste die traditionelle Feier am Ufer des Sees Gennesaret wegen heftigen Regens in die Kirche verlegt werden – das Land hat einen der regenreichsten Winter der letzten Jahrzehnte erlebt.

 

Schon in dieser Karwoche der ‚westlichen Kirche‘ war die Stadt mehr als gut besucht. Und so bedauerlich es ist, dass Ost- und Westkirche sich noch nicht auf einen gemeinsamen Ostertermin einigen können – bezüglich der Besucherströme sorgte es für ein wenig Entspannung, dass die Orthodoxen in diesem Jahr eine Woche später Ostern feierten. Höhepunkt der orthodoxen Feierlichkeiten ist die Zeremonie des heiligen Feuers, bei der am Morgen des Karsamstag der Patriarch das neue Licht aus dem Grab herausträgt, das sich dann in Windeseile in der ganzen Kirche verteilt und im ganzen Land die (orthodoxen) Osterkerzen entzündet.

 

Und so schwierig die Situation für einheimische ChristInnen manchmal sein mag – in diesem Jahr trauerte man auch in Jerusalem mit den ChristInnen in Sri Lanka; nicht zuletzt deshalb, weil zahlreiche Gastarbeiter von dort in Israel leben.

Quelle: Georg Röwekamp, DVHL

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