Unterstützung weggebrochen, Grenzen dicht


Alle ausländischen Volontärinnen und Krankenpflege-Praktikantinnen, die so wichtig für unsere Arbeit und das Leben in Beit Emmaus sind, mussten in ihre Heimatländer zurückkehren. Schon allein die logistische Umsetzung mit Fluglinien, Botschaften und Checkpoints war herausfordernd.

Erste Infektionsfälle in der Westbank traten in Qubeibeh und den umliegenden Dörfern auf. Daraufhin wurde nicht nur die ganze Gegend, sondern auch die einzelnen Dörfer unter Quarantäne gestellt. Es gab Ausgangssperren. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten war fast unmöglich.

Kurz vor dem Lockdown haben wir zehn Emmaus-Mitarbeiterinnen gebeten, während der Corona-Pandemie auf dem Gelände zu bleiben. Dies war der einzige Weg, um die Versorgung der 35 pflegebedürftigen Frauen in unserem Haus zu garantieren. Wir sind unendlich dankbar für den Einsatz dieser Mitarbeiterinnen. Es war für sie – gerade im Ramadan – sehr hart, nicht bei ihren Familien sein zu können. Immerhin erhielten sie weiterhin ihr Gehalt und können ihre Familien unterstützen. Einige Aushilfen konnten nicht mehr zur Arbeit kommen und bekamen kein Geld mehr. Solche Situationen verschärfen die Armut der Familien. Die Neuinfektionen in Palästina und Israel bereiten uns weiterhin große Sorgen.

Schwierige medizinische Lage

In einer Pflegeeinrichtung, die so abgelegen ist wie Beit Emmaus, sind medizinische Notfälle auch ohne Covid-19-Beschränkungen schwierig. Nun konnten wir unsere Damen gar nicht ins Krankenhaus bringen, weil das Infektionsrisiko zu groß war. Deswegen hatten wir unter anderem eine zweistündige Operation im Haus, im Bett durchgeführt. Zwei Chirurgen erklärten sich dankenswerterweise bereit, die OP durchzuführen. Der Frau geht es nun den Umständen entsprechend gut; sie ist im Rollstuhl bereits wieder unterwegs im Garten.

Langsame Öffnung

Noch sind die Grenzen zu Israel geschlossen. Wir vermissen die Pilgergruppen. Mit ihrer Unterstützung finanzieren wir den laufenden Betrieb. Doch schon der Gang zur Post oder Bank braucht das Einholen von Genehmigungen und ist aufgrund des Wartens am Checkpoint ein Tagesprojekt. Seit dem 26. Mai bemühen wir uns um eine langsame Öffnung. Noch ist es niemandem von außen erlaubt, das Haus zu betreten. Doch während drei Nachmittagsstunden können Besucher*innen ihre Angehörigen im Garten treffen.

Pflegefakultät

Auch die Pflegefakultät wurde von einem Tag auf den anderen geschlossen. Online-Vorlesungen sind in einer Gegend, in der es nur schwache Internetverbindungen gibt und es nicht üblich ist, dass Student*innen einen Computer haben, eine Herausforderung. Doch Solidarität ermöglichte vieles. In der Zwischenzeit wurden die meisten Prüfungen online abgelegt.

Hoffnung

Palästina ist ein Land mit vielen jungen Menschen. Die Hoffnung, trotz allem weiterzugehen, ist spürbar. So gibt es bereits neue Anfragen und großes Interesse, bei uns zu studieren. Anfang Juni haben die palästinensischen Prüfungen für das Abitur begonnen.

Dank an alle Spender*innen

Mit sehr großer Freude haben wir erfahren, dass aufgrund des DVHL-Weihnachts-Mailings 16.000 Euro für Windeln gespendet wurden. Ein ganz herzliches „Vergelt’s Gott!“ dafür. Wir werden die nächste Windellieferung Ende Juni davon bezahlen.

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