Fensterliches von der Dormitio-Sanierung

Eine Baustelle bringt eine Vielfalt von Eindrücken und Erfahrungen mit sich. Dazu gehören auch geschenkte, gnadenhafte Momente. Der Ausbau der alten Fenster in der Dormitio-Basilika in den vergangenen Wochen gehört dazu: Aus- und Durchblicke, wunderbare Lichteinfälle, die selbst die verstaubten Baugerüste wie erhabenes Strebewerk einer geheimnisvollen Kathedrale innerhalb der Basilika erleuchten lassen. – Noch mehr gilt das für den Einbau der neuen Onyx-Scheiben, der danach erfolgte.

Eine kostbare Sammlung natürlicher Gemälde. Unikate. Wie Landkarten mit Flüssen und Gebirgen. Oft in mehreren Schichten. Andere wie leuchtende Luftblasen oder Wolken. – Besonders von außen, und immer dann, wenn sie nicht von Licht durchflossen werden, wirken sie wie das, was sie sind: Steinscheiben. Aber vor allem, wenn die Jerusalemer Sonne durch sie in die Kirche schaut, erwachen die transluzenten Scheiben zu eigenem Leben, sie leuchten, brennen geradezu. Schon jetzt, im Baustellenmodus, verändern sie in wunderbarer Weise Aussehen und Charakter der Marienkirche auf dem Zion. Und sie freuen sich mit den Benediktinern, wenn die Kirche nach der großen Renovierung wieder für Pilger und Beter, für Sucher und Neugierige geöffnet werden kann. Denn zum Staunen und Beten, zum Meditieren und Verweilen sind diese Kunstwerke der Schöpfung wie gemacht.