Mount Zion Award 2021/2022

Nachdem die Verleihung des Mount Zion Awards im vergangenen Jahr aufgrund der Pandemie nicht stattfand, konnte nun am 1. Mai die Preisverleihung nachgeholt werden.


Seit 1987 wird der Mount Zion Award von der Mount Zion Foundation mit Sitz am Institut für Jüdisch-Christliche Forschung in Luzern in Kooperation mit der Dormitio vergeben. Geehrt und ermutigt werden Personen in Israel und Palästina, die in der kulturellen und interreligiösen Verständigung von Judentum, Christentum und Islam und im Friedensprozess in Nahost Verdienste erworben haben.

In einer Feierstunde, die aufgrund der Generalsanierung der Dormitio-Abtei bei den Schwestern des Hl. Karl Borromäus im Deutschen Hospiz stattfand, wurde Prof. Dr. em. Israel Jacob Yuval der Mount Zion Award 2021/2022 verliehen. Er ist nicht nur ein herausragender Forscher über die gegenseitige Wahrnehmung von Juden und Christen in Spätantike und Mittelalter, sondern setzt sich aktiv für die israelisch-palästinensische Verständigung ein. Als Gründungsdirektor des interdisziplinären Forschungszentrums für Jüdische Studien „Scholion“ an der Hebräischen Universität Jerusalem hat er das "Good Neighbor"-Programm ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist die Bildungschancen der Jugendlichen im benachbarten palästinensischen Dorf Issawiya zu verbessern. Seine Dankesrede schloss er mit dem Blick auf die Entwicklung der deutsch-jüdisch/israelischen Beziehungen: Weil es in diesem Fall trotz der Shoa und ihrer Vorgeschichte zur Versöhnung und zu gemeinsamen Wegen gekommen sei, sehe er auch Hoffnung für Israelis und Palästinenser!



Eigentlich hätte der Künstler Yehuda Bacon in der Feierstunde zur Verleihung des Mount Zion Awards 2021/2022 auch anwesend sein sollen. Ihm sollte der Ehrenpreis für sein Lebenswerk als Zeugnis der Völkerverständigung und der jüdisch-christlichen Begegnung verliehen werden. Doch er, dieser lebensfrohe mittlerweile 93 Jahre alte Mensch, konnte aus gesundheitlichen Gründen leider nicht teilnehmen. Daher wurde ihm der Ehrenpreis persönlich überbracht.


Er überlebte das Ghetto Theresienstadt sowie die Konzentrationslager Auschwitz, Mauthausen und Gunskirchen und wurde einer der wichtigsten Zeugen im Eichmann-Prozess. Mit seinen Bildern versuchte er seine Traumata zu verarbeiten und wendet sich an die jungen Generationen im Blick auf die Verantwortung für die Geschichte und die Zukunft. Er ist wahrhaft ein Zeuge der Menschheitsgeschichte; jemand, der tief in die Abgründe der Menschheit gesehen hat und dennoch hoffnungsvoll geblieben ist. Im Gespräch erklärte er, dass er fest daran glaubt, dass man in jedem Menschen, wenn man nur tief genug sucht, auch wenn man manchmal ganz tief graben muss, doch Gott finden kann.