Neue Ausgrabungen in Tabgha

Untersuchung auf dem Tell-el-Oremeh/Tel Kinrot und

im Bereich des frühislamischen Kalifenpalastes Khirbat al-Minya


Gleich zwei Gruppen von Archäologen haben in den letzten Wochen auf dem Gelände des DVHL in Tabgha Ausgrabungen vorgenommen.



Die eine, unter Leitung von Prof. Stefan Münger (Bern) und Prof.in Simone Riehl (Tübingen), untersuchte im Rahmen des Kinneret Regional Project (...mehr) die jüngste Siedlungsschicht auf dem Tell el-Oremeh/Tel Kinrot. Die andere, unter Leitung von Prof. Hans-Peter Kuhnen (Mainz), grub erneut im Bereich des frühislamischen Kalifenpalastes Khirbat al-Minya. Beide hatten zuvor den Bereich, der sie interessiert, geophysikalisch untersucht und mithilfe der Ergebnisse den konkreten Abschnitt festgelegt, den sie dann untersuchten.


Auf dem Tell, dem „Hausberg“ auf dem Gelände des DVHL, hatten frühere Ausgrabungen Schichten aus mehreren Epochen festgestellt, die bis in die Bronzezeit zurückreichen. Die auch in der Bibel (Jos 19,35) erwähnte Stadt Kinneret ist wohl beim Feldzug des assyrischen Königs Tiglat-Pileser III. im Jahr 733 v.Chr. (1 Kön 15,29) zerstört worden. Danach gab es nur noch eine kleine Siedlung im Bereich der „Akropolis“. Dort fand man jetzt, nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche, Mauern von einfachen Häusern, aber auch Gefäße und Werkzeuge wie beispielsweise einen Reibestein zum Mahlen – das wichtigste „Haushaltsgerät“ früherer Zeiten. Besonderes Augenmerk richteten die Forscher allerdings auf organische Funde, weil sie etwas über die (veränderten?) Ernährungsgewohnheiten in der Siedlung erfahren wollen. Deshalb waren die Überreste im Bereich einer Feuerstelle besonders interessant. Sie wurden mithilfe einer Flotationsmaschine aus dem Sand ausgewaschen – und werden nun in Deutschland näher untersucht.


Etwa 200 m nördlich der Palast-Ruinen ging es dem anderen Team darum, Erkenntnisse über die Umgebung der frühislamischen Anlage zu gewinnen. Tatsächlich wurde in einem der beiden untersuchten Felder ein Mosaikfußboden gefunden, der vermutlich noch aus byzantinischer Zeit stammt. Im anderen Feld wurden Überreste eines Zuckerofens gefunden, möglicherweise noch aus abbasidischer Zeit. Beide Entdeckungen könnten dazu beitragen, die Geschichte dieser Ortslage neu zu schreiben: Der Palast wäre dann kein „Wüstenschloss“ weitab von jeder früheren Siedlung gewesen, und der Zuckerrohranbau am See Gennesaret hätte dann schon deutlich früher begonnen als bisher angenommen.


Über beide Ausgrabungen wird in der Ausgabe 1/2023 unseres Magazins „Das Heilige Land“ Näheres berichtet.