Pressemitteilung: Tourismus am Boden – Was heißt das für die Christ:innen im Heiligen Land?

Köln, 11.03.2021


Die Gästehäuser des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande stehen seit März 2020 weitgehend leer. Das stellt den Verein, aber auch zahlreiche Angestellte im Land vor große Herausforderungen. Hoffnung macht uns, dass im letzten Sommer Einheimische das Pilgerhaus am See Gennesaret für sich entdeckt haben. Außerdem hoffen wir auf Rückkehr der Pilger:innen in diesem Jahr.

Dennoch ruft der DVHL zu Spenden auf, denn die ausgefallene Palmsonntagskollekte aus dem letzten Jahr macht dem Verein weit mehr zu schaffen als ursprünglich gedacht. Damals konnte nur ein Bruchteil der Einnahmen generiert werden. Dabei wächst die Not der Menschen. Über die Situation des Tourismus in Israel und Palästina berichtet der langjährige Leiter des Jerusalem-Büros des DVHl, Dr. Georg Röwekamp, der seit einem halben Jahr das Pilgerhaus Tabgha leitet:


„Als ich meine neue Aufgabe im Sommer 2020 übernahm, kam ich in ein Gästehaus mit einer ganz anderen Atmosphäre als sonst. Im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten und unter Einhaltung eines eigenen Hygienekonzepts waren dort zahlreiche Israelis zu Gast. Familien, die die ruhige Atmosphäre dieses Platzes schätzten, aber auch Einzelgäste, die gar nicht fassen konnten, welch kleines Paradies da am Ufer des Sees Gennesaret liegt. Besonders gefreut haben wir uns über eine Gruppe von circa 50 jüdisch-israelischen Tourguides, die hier an einem Seminar zu den neutestamentlichen Wundergeschichten teilnahmen. So verbindet sich die ‚deutsche Insel‘ Tabgha stärker mit dem Umland.


Natürlich stellte das die Mitarbeiter:innen vor zahlreiche neue Herausforderungen, aber so konnten wir zumindest einen Teil von ihnen weiter beschäftigen. Seit dem zweiten Lockdown im September mussten wir dagegen den größten Teil von ihnen (übrigens arbeiten hier Christ:innen, Juden:Jüdinnen, Muslim:innen und Drusen gut zusammen) nach Hause schicken. Zum Glück gibt es für viele staatliche Unterstützung, ähnlich dem deutschen Kurzarbeitergeld, aber auf Dauer ist das zu wenig.


Außerdem gilt das nur für Israel. In den palästinensischen Gebieten ist die Situation viel dramatischer: In Betlehem, das zu großen Teilen vom Tourismus lebt, und anderen Regionen gibt es keinerlei staatliche Unterstützung. Gästehäuser, Busunternehmen, Guides – sie alle leben nur von ihren Reserven. Deshalb sind wir froh, dass wir wenigstens einige Familien aus dem Sozialfonds unserer Häuser unterstützen können.“