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„In guten, wie in schweren Tagen“ DVHL-Generalversammlung im Zeichen des Nahost-Krieges

Von den Ereignissen des 7. Oktobers und dem daraus resultierenden Krieg im Heiligen Land war auch die diesjährige Generalversammlung des DVHL bestimmt. Die Einrichtungsleiter berichteten über die aktuelle Situation vor Ort und wie sich der Krieg auf ihre Arbeit auswirkt.


„Wir bleiben!“ Die Verantwortlichen der DVHL-Einrichtungen mussten nicht lange überlegen. Nach dem Terror-Angriff der Hamas wollten sie vor Ort und bei den Menschen im Heiligen Land bleiben. Das Land zu verlassen war keine Option für sie. „Der 7. Oktober hat das Heilige Land verändert“, betonte Georg Röwekamp in einem Online-Vortrag zum Auftakt der DVHL-Generalversammlung. Der Terror-Angriff der Hamas habe ein Trauma ausgelöst, das nicht so schnell therapiert werden könne. 


Nach der Corona-Pandemie war es die zweite Generalversammlung, die wieder ganz regulär in Präsenz im Kölner Maternus-Haus stattfinden sollte. Doch auch dieses Treffen der DVHL-Diözesanvorsitzenden und des DVHL-Vorstandes war alles andere als „wie üblich“. Immer wieder war von einem „davor – und jetzt“ die Rede. Eigentlich sollten einige der DVHL-Einrichtungsleiter vor Ort in Köln von ihren Erfahrungen berichten. Doch die meisten waren im Heiligen Land geblieben. So wie auch der Leiter des Pilgerhauses Tabgha, Georg Röwekamp. Er war zu Beginn des Nahost-Krieges in Rom und konnte nur mit Mühen wieder zurück an den See Genezareth gelangen. 

 

So wie er, berichtete auch Sr. Hildegard von den Entwicklungen in Beit Emmaus seit dem 7. Oktober. „Der Schock sitzt tief,“ sagt Sr. Hildegard. Der Krieg sei im Alltag von Beit Emmaus konkret zu spüren. Checkpoints seien geschlossen, Palästinenser kämen nicht zur Arbeit, Lebensmittel und andere Güter seien knapp. In den 50 Jahren seit Bestehen der Pflegeeinrichtung in Qubeibeh im Westjordanland habe es bereits viele schwierige Situationen gegeben, aber jetzt sei es „besonders schlimm“. Doch trotz lähmender Angst und einer großen Beklommenheit aller, sei ihr von Anfang an klar gewesen: „In guten, wie in schweren Tagen: Wir bleiben hier!“ Und die Menschen seien für dieses Zeichen der Solidarität und für den Beistand sehr dankbar. Auch für die Arbeit bei der Olivenernte, die Sr. Hildegard zumindest 22 Arbeitern anbieten konnte. Denn zu ihren eigenen Olivenfeldern können sie derzeit nicht gelangen, da sie jenseits der Sicherheitsmauer liegen. 



Viel war von Trauer und Traumata bei dieser Generalversammlung zu hören, von einer Zäsur und der Zeitenwende, von mangelnder Empathie und zunehmender Radikalisierung, aber auch von Verständigung, Versöhnung und der Kraft des Gebets. Von einem Zeichen der Hoffnung erzählten der neue Prior Josef vom Benediktinerkloster Tabgha und sein Mitbruder Elias. Beide Benediktinermönche hatten den weiten Weg nach Köln auf sich genommen. Eine Gruppe von Menschen mit Behinderung aus dem heilpädagogischen Dorf Kfar Rafael im Süden Israels, nur rund 35 Kilometer vom Gazastreifen entfernt, habe bei ihnen rund vier Wochen lang bis zum 13. November Zuflucht vor dem Raketenalarm gefunden. Das Da-Sein der Gruppe, betonten Prior Josef und Pater Elias, habe dem Kloster und der Gemeinschaft gutgetan und sie bereichert. Gemeinsam konnten alle miteinander das Brotvermehrungsfest feiern.  

 

Zu diesem Anlass war auch Bischof Heiner Wilmer, Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax, ins Heilige Land, und auch nach Tabgha gereist. Mit ihm war auch DVHL-Generalsekretär Matthias Vogt dort. Nach zahllosen Online-Konferenzen und Gesprächen wollte er sich nun selbst ein Bild vor Ort machen. Er würdigte das außerordentliche Engagement aller palästinensischen und israelischen Mitarbeitenden, die trotz teils gefährlicher Wege zur Arbeit und der enormen Belastung weiter ihren Dienst für die Menschen und den DVHL leisten würden. „Der DVHL ist Ihnen unendlich dankbar“, betonte Matthias Vogt. 

 

Für einen Gänsehaut-Moment sorgte die musikalische (Für)Bitte um Trost und Hoffnung der Schmidt-Schülerinnen der Klasse 11 B, von dem der kommissarische Leiter der Ost-Jerusalemer Schmidt-Schule, Dietrich Bäumer, berichtete. In einem Video interpretieren die Schülerinnen das Lied der Musikgruppe Silbermond

Darin heißt es: „Gib mir 'n kleines bisschen Sicherheit 

In einer Welt, in der nichts sicher scheint 

Gib mir in dieser schnellen Zeit, irgendwas das bleibt.“ 



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