Am Palmsonntag geht der neueste Nahostkrieg in seine vierte Woche. Nichts spricht derzeit dafür, dass er bald zu Ende gehen wird. Wieder einmal müssen sich auch die DVHL-Einrichtungen im Heiligen Land auf Kriegsbedingungen einstellen. Nach den Kriegen der zurückliegenden zweieinhalb Jahren keine ganz neue Situation, aber die Sorge bleibt, zumal die Einschläge von abgeschossenen Raketenteilen diesmal auch in Jerusalem häufiger sind als bei den früheren Kriegen.
Zunächst einmal die gute Nachricht: Keinem unserer Mitarbeitenden im Heiligen Land ist etwas zugestoßen und wir beten sehr dafür, dass dies auch so bleibt. Auch die Gebäude sind unbeschädigt. Das Team des Jerusalem-Büro hat nach einigen Tagen des Home-Office in den ersten Kriegstagen seine Präsenz im Büro wieder aufgenommen – mit großer Vorsicht, denn Luftalarm gibt es weiterhin alle paar Stunden. Die Sicherheit der Mitarbeitenden hat in jedem Fall Vorrang. Und alle sind natürlich stets in Sorge um ihre Familien.
In der Schmidt-Schule gab es bei Kriegsausbruch eine große „Schrecksekunde“. Glücklicherweise blieb zwischen der Verkündung der ersten israelischen Angriffe auf den Iran durch die Regierung und den ersten iranischen Gegenschlägen gerade noch genug Zeit, die Schülerinnen sicher nach Hause zu schicken. Seither gibt es wieder online-Unterricht. Natürlich wird dabei auch auf die psychischen Belastungen der Schülerinnen Rücksicht genommen. Und die Lehrerinnen und Lehrer bekommen auch nicht mehr Schlaf als die Schülerinnen, wenn sie nachts mehrfach durch die Sirenen aus dem Bett geholt werden und in den Schutzraum gehen müssen. Übrigens sind alle aus Deutschland entsandten Lehr- und Verwaltungskräfte weiterhin vor Ort, trotz der gefährlichen Situation. Ein sehr starkes Zeichen der Verbundenheit mit ihren palästinensischen Kolleginnen und Kollegen sowie mit den Schülerinnen!
Unser Alten- und Pflegeheim Beit Emmaus im Westjordanland macht uns mal wieder die größten Sorgen mit Blick auf die Sicherheit. Schutzräume gibt es in Palästina nicht, und Raketenteile können auch dort jederzeit niedergehen. Selbst mit einem großen Bunker wäre es nicht möglich, alle Bewohnerinnen rechtzeitig dorthin in Sicherheit zu bringen. Bei den vielen bettlägerigen und pflegebedürftigen Bewohnerinnen ist das nicht zu schaffen. Pflegerinnen und Ordensschwestern bringen die Bewohnerinnen bei Alarm in den großen, weitgehend innenliegenden Aufenthaltsraum und verbringen die bangen Minuten gemeinsam mit ihnen. Im letzten Krieg haben die Bewohnerinnen eines Seniorenheims in Österreich Schutzengelfiguren für Beit Emmaus gebastelt. Die hängen jetzt an den Türen und spenden ein bisschen Trost.
Unsere Gästehäuser stehen erwartungsgemäß wieder leer. Eine Pilgergruppe aus Amerika konnte nach einigen Tagen aus dem Pilgerhaus Tabgha abreisen und ist inzwischen sicher in der Heimat zurück; ebenso die Einzelgäste der Benediktiner am See Gennesaret und des Paulus-Hauses in Jerusalem. Die meisten nahmen den langen Weg durch die Wüste Richtung Süden und sind über den ägyptischen Sinai nach Hause zurückgelangt. Einige sind auch über Jordanien ausgereist. Diesen Weg mussten nach zwei Wochen des Krieges auch unsere beiden Freiwilligen nehmen, die an der Schmidt- Schule eingesetzt waren. Sobald die Ausreise sicherer war als der Verbleib nahe bei den Schutzräumen in Jerusalem, haben wir sie auf einen besonders gesicherten Transport zusammen mit anderen deutschen Fachkräften der GIZ an die Grenze zu Jordanien gebracht. Von Amman aus konnten sie schließlich nach Düsseldorf zurückfliegen Ob sie in den kommenden Wochen noch einmal an ihren Einsatzort zurückgekommen, ist derzeit völlig unklar. Wir bemühen uns im Gespräch mit den beiden um Alternativen.
Schmerzhaft für die Benediktiner auf dem Zion war am gleichen Wochenende, da die DVHL-Freiwilligen evakuiert wurden, die Ausreise eines Großteils der Studierenden des Theologischen Studienjahrs. Sie waren gemeinsam mit Studierenden aus Deutschland, die zu den christlich-muslimischen Werkwochen des Studienjahrs nach Jerusalem gekommen waren, über das ägyptische Scharm el-Scheich – besonders gesichert – ausgereist. Das Studienjahr geht, ähnlich wie schon in Corona-Zeiten und nach dem 7. Oktober 2023, in Rom weiter. Immerhin eine gute Alternative zu Jerusalem und eine zusätzliche Erfahrung!
Derzeit schauen alle auf Ostern: Werden die Gottesdienste zur Heiligen Woche für die Gläubigen offen sein? Im Moment sind noch alle Versammlungen behördlich verboten, und so mussten auch die gemeinsamen Gebete der Muslime zum Zuckerfest am Ende des Ramadan ausfallen. Dieselbe Frage stellt sich auch für das jüdische Pessah-Fest. Natürlich wird in unseren Einrichtungen Ostern mindestens im kleinen Kreis gefeiert: in Tabgha von den philippinischen Schwestern und den Benediktinern, in der Dormitio von den dortigen Mönchen und in der Kapelle von Beit Emmaus von der Hausgemeinschaft. Aber es wird wohl ein stilles Ostern werden. Zögerlich nur bricht sich die Botschaft von der Auferstehung bahn wie damals unter den Frauen am Grab und den Jüngern. Zu sehr standen sie unter dem Eindruck des Leidens und des brutalen Todes Jesu. Wie konnte man da glauben, dass Gott ganz neues Leben entstehen lassen würde?
(Stand: 23.03.2026)