Bewundernswert: Der Glaubensmut der Christen
DVHL-Generalsekretär Matthias Vogt berichtet vom ROACO-Treffen



Die dramatische Situation im Nahen Osten stand in diesem Jahr neben dem Thema Priesterausbildung in den katholischen Ostkirchen auf der Tagesordnung der ROACO, dem jährlichen Treffen der Hilfswerke für die orientalischen Kirchen in Rom. Für den DVHL war Generalsekretär Dr. Matthias Vogt dabei. Aus Jerusalem war der neue Kustos des Heiligen Landes, Franziskanerpater Francesco Ielpo angereist. In den Mittelpunkt seines Berichts stellte er die wirtschaftliche Situation der Christen, die immer dramatischer werde und den Menschen kaum noch Perspektiven für die Zukunft biete. Zusammen mit anderen kirchlichen Partnern bemühten sich die Franziskaner gerade in diesem Bereich durch Wohnprojekte, Schulen und Arbeitsgelegenheiten um Abhilfe. Besorgniserregend sei aber auch die Gewalt gegen Palästinenser im Westjordanland. Die Situation in Gaza lasse sich gar nicht mehr beschreiben. Er frage sich, so Ielpo, wie man angesichts dieses Hasses und dieser Gewalt noch ein „evangelisches Herz“ bewahren könne, das auf Frieden ausgerichtet ist. Auch aus Syrien, das wie auch der Libanon zur Franziskanerkustodie des Heiligen Landes gehört und das er vor kurzem besucht hat, berichtete Ielpo. Die Lage für Christen werde dort immer gefährlicher. Bewundernswert finde er in dieser Situation den Glaubensmut der Christen. So habe sich ihm dort der Satz eingeprägt: „Wir sind halbtot, aber wir sind bereit, für Christus zu sterben.“
Aus dem Libanon war der dortige Apostolische Nuntius, Paolo Borgia, per Video zugeschaltet. Als Vatikanbotschafter war er gerade von einer Hilfskampagne für die Menschen im von Israel besetzten Südlibanon zurückgekommen. Die israelische Armee habe dort alle Menschen vertrieben und die Dörfer vollständig zerstört. Nur drei christliche Dörfer hätten standgehalten. Allerdings seien sie völlig von der Außenwelt abgeschnitten und auf Hilfslieferungen angewiesen. Diese seien sehr gefährlich, wie Borgia aus seinen eigenen Erfahrungen berichten konnte. Er hat schon über zehn solcher Transporte selbst begleitet. Dabei sei es unmittelbar neben dem Hilfskonvoi zu Angriffen gekommen, man sei wegen kurzfristiger Routenänderungen über zehn Stunden unterwegs gewesen und habe im Militärlager der UNO-Truppen UNIFIL oder auch einmal im Auto unter freiem Himmel übernachten müssen. Warum er selbst dabei sei? Er wolle „Präsenz zeigen“, so der Botschafter des Papstes, „Solidarität, Nähe, Freundschaft…. ein Lächeln bringen, eine Umarmung“. Mit unserem Engagement, so Borgia, „fordern wir den Krieg heraus.“ Und er gab sich überzeugt: „Liebe, Frieden, Solidarität, Hingabe, das wird den Krieg besiegen.“
Für den DVHL waren die Berichte eine Bestärkung seiner Arbeit. So hat der DVHL die Hilfslieferungen in den Südlibanon über die „Päpstliche Mission“ in Beirut unterstützt. Deren Direktor Michel Constantin war selbst bei mehreren Konvois zusammen mit dem Nuntius dabei. Auch er berichtete im Rahmen der ROACO per Video von der Situation der rund 3.500 im Südlibanon verbliebenen christlichen Familien und von den israelischen Militäraktionen rundherum: „Nichts ist übrig, kein einziges Haus, totale Zerstörung und Verwüstung.“ DVHL-Generalsekretär Matthias Vogt gab sich zum Abschluss der Beratungen in Rom überzeugt: „Wir haben in Israel, in Palästina und im Libanon genau die richtigen Partner. Wir werden sie auch weiterhin unterstützen. Denn sie bringen nicht nur materielle Hilfe. Sie stiften Hoffnung und lassen Gottes Nähe aufleuchten.“