Hoffnung in die Herzen geben
DVHL-Generalsekretär Matthias Vogt berichtet von Solidaritätsreise

Ihre Zukunft ist ungewiss, ihre Verzweiflung wächst: Christen im Heiligen Land sind in ihrer Existenz bedroht. Miral hat eine düstere Prognose: „Im Jahr 2050 wird es hier keine Christen mehr geben“, sagt sie und ein wenig Resignation schwingt in ihrer Stimme mit, als sie das sagt. Miral lebt in Aboud, einem 3.000-Seelen-Dorf westlich von Ramallah und studiert an der nahegelegenen Bir Zeit Universität Medizin. Zwei bis drei Stunden brauche sie jetzt oft für den Weg zur Uni, berichtet sie, eine Strecke, die eigentlich in 20 Minuten zurückgelegt werden könnte, wäre da nicht der israelische Checkpoint bei Atara. Nach ihrem Studium möchte Miral nach Deutschland auswandern. Die Lebensbedingungen im besetzten Westjordanland hält die junge Frau für unzumutbar.
Wie sie denken viele Palästinenser und Palästinenserinnen, vor allem junge Menschen, die eine gute Ausbildung haben. Das ist immer wieder auf unserer Solidaritätsreise durch das Westjordanland, Israel und dem Libanon zu hören, berichtet DVHL-Generalsekretär Matthias Vogt. Noch nie ist diese Sorge den DVHL-Vertretern gegenüber so deutlich geäußert worden wie bei dieser Reise. Zusammen mit DVHL-Präsident Rainer Maria Kardinal Woelki war er Ende August vor Ort. „Es ist unsere Verantwortung als Kirche, ihnen beizustehen“, betont Kardinal Woelki.
In der Jerusalemer Altstadt lernt die DVHL-Delegation Amjad kennen. Der 39-jährige Busfahrer lebt dort mit seiner Frau und drei Kindern in einem engen Raum im christlichen Viertel. Er erzählt von seinem Leben, von der Gewalt, die er als christlich-arabischer Busfahrer in Jerusalem erlebt. „In zehn Jahren werdet ihr hier keine Christen mehr antreffen,“ sagt er. „Früher, als ich zur Schule ging, waren wir 20 Christen und fünf Muslime in der Klasse. Heute ist es umgekehrt.“ „Ohne die Hilfe des Lateinischen Patriarchats bleibt hier keiner,“ erklärt Amjad. „Aber wo soll ich hin? Hier ist mein Zuhause. Ich kann nicht gehen. Aber für meine Kinder gibt es hier keine Zukunft.“
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