„Unsere Hoffnung ist nicht naiv“
Neues Mitgliedermagazin zum Westjordanland erschienen

„Das sind keine Einzelfälle“ betont Bashar Fawadleh. Er ist Pfarrer in Taybeh, der einzigen noch vollständig christlichen Stadt im Westjordanland. Sie hat eine traurige Berühmtheit erlangt, seitdem im letzten Sommer gewaltbereite Siedler die Stadt mehrfach angegriffen haben. Auch in diesem Sommer hat es erneut gewalttätige Übergriffe gegeben. „Es sind wiederholte Aktionen, die direkt auf unsere Lebensgrundlage abzielen“, schreibt Bashar Fawadleh in seinem sehr eindrücklichen Bericht im neuen Mitgliedermagazin, das den Blick im Themenschwerpunkt auf das Westjordanland lenkt. „Und doch bleiben wir trotz allem“, sagt er. „Unsere Hoffnung ist nicht naiv. Sie ist eine tägliche Entscheidung, die im Glauben, in der Widerstandskraft und in der Überzeugung verwurzelt ist, dass Solidarität noch immer etwas bewirken kann.“ Davon konnte sich eine DVHL-Delegation Ende August bei einer Solidaritätsreise mit Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki selbst ein Bild machen. „Im Jahr 2050 wird es hier keine Christen mehr geben.“ Das ist die düstere Prognose von Miral, einer Studentin aus Aboud. Sie will auswandern, wie so viele, die die Delegation getroffen hat. Über die Begegnungen vor Ort und das Bemühen der DVHL-Projektpartner „Hoffnung in die Herzen zu geben“, berichtet DVHL-Generalsekretär Matthias Vogt.
Auch die Mitarbeitenden der Schmidt-Schule leiden unter den immer schwierigeren Lebensbedingungen im Westjordanland. Lange Wartezeiten bei den zahlreichen Checkpoints, immer neue Bestimmungen bei den Arbeitserlaubnissen und für Registrierungsprozesse erschweren den Alltag, schreibt Verwaltungsleiterin Dörte Kleine-Pollmann. Da helfe oft „nur eine gehörige Portion“ Flexibilität, Pragmatismus und Kreativität.
Die hat auch Schwester Lourdes von den Comboni-Schwestern, die in Al-Eizarija, dem biblischen Bethanien, leben. Eine hohe Sperrmauer trennt sie bereits seit 2009 von der Zentrale ihrer Ordensgemeinschaft in Ost-Jerusalem, die nur wenige Hundert Meter entfernt liegt. Sr. Lourdes engagiert sich für die Beduinengemeinden. „Die Lehrerinnen, die wir ausgebildet haben, sind heute starke Frauen, erzählt die 43-Jährige. „Sie sind wie Schmetterlinge. Sie wachsen zu sehen, macht mich glücklich!“ Und auch Schwester Magda aus dem DVHL Alten- und Pflegeheim Beit Emmaus in Qubeibeh berichtet Erfreuliches: „Jetzt tanzen sie und fühlen sich schön“, erzählt sie über zwei Schwestern, die anfangs kein Wort gesprochen hätten. „Vielleicht werden sie nicht gesund. Aber sie haben ein Zuhause gefunden“, freut sich Sr. Magda.