Zeugnis von widerständiger Hoffnung und Glaubenskraft
DVHL-Mitglied Johannes Zang lässt Christen im Westjordanland zu Wort kommen
Durch die Ereignisse rund um Gaza und zuletzt den Krieg zwischen Israel und dem Iran ist vielfach in den Hintergrund getreten, was im Heiligen Land selbst passiert. Im Schatten des Krieges hat sich die Situation für die Menschen in den palästinensischen Gebieten noch einmal dramatisch verschlechtert – nicht zuletzt für die Christinnen und Christen. Deshalb ist es gut, dass der Journalist und Autor Johannes Zang, der lange im Heiligen Land gelebt hat und regelmäßig vor Ort ist, daran erinnert. Er befragt Christen aus der Region zu ihrer Geschichte und Situation und lässt sie so direkt zu Wort kommen.

Dabei hat er während einer ausführlichen Reise im Frühjahr 2025 nicht nur prominente Persönlichkeiten oder Kirchenführer besucht, sondern auch ganz „normale“ Bürgerinnen und Bürger. Deshalb sind unter den Gesprächspartnern neben der ersten palästinensischen Pfarrerin Sally Azar auch ein junges Ehepaar wie Ieva und Boulos Akleh, die wie so viele Christen im Bereich Tourismus arbeiten, aber auch Musiker sind, oder Wassim Razzouk, der die uralte Tradition des Tätowierens für Pilger weiterführt. Die meisten von ihnen stammen aus Jerusalem, Bethlehem und Umgebung sowie aus Ramallah; drei leben bereits im Ausland und beleuchten damit, woran viele Christinnen und Christen denken: Auswanderung. Und die teilweise deprimierenden Schilderungen von Schikanen und Perspektivlosigkeit machen verständlich, warum das so ist. Gleichzeitig aber – und das macht eine Besonderheit der Beiträge aus – sind sie ein Zeugnis von widerständiger Hoffnung und Glaubenskraft, die man nur bewundern kann. Nicht umsonst sprechen manche davon, dass sie seit Jahren eine „Via dolorosa“, einen Kreuzweg gehen.
Das Buch endet mit der Dokumentation eines Expertengesprächs, das ein Zitat daraus als Titel trägt: „Es gibt so etwas wie einen Christozid“. In jedem Fall versteht man angesichts der hier gesammelten Stimmen und der Entwicklungen in den letzten Monaten den „heiligen Zorn“ des Autors (auch auf Kirchen und Politiker), der das Nachwort prägt: Wenn nicht endlich etwas geschieht, droht dem Christentum im Land seines Ursprungs der Untergang.
Johannes Zang: Und am Kontrollpunkt wartet die Erniedrigung. 33 Christen aus Palästina reden Klartext. Messidorverlag