Sich für die Überwindung des Hasses einsetzen
Pressekonferenz im Paulus-Haus zur Lage der Christen im Heiligen Land

„Als Christ und israelischer Staatsbürger fühle ich mich verwaist.“ mit diesen Worten eröffnete Wadie Abunassar die Pressekonferenz der Foreign Press Association im Jerusalemer Paulus-Haus. Die israelische Regierung nehme die Anliegen der Christen nicht ernst und verfolge Angriffe gegenüber Christen nicht mit dem nötigen Nachdruck, beklagte der Vorsitzende des International Centre of Consultation mit Sitz in Haifa. Es gebe ein erhebliches Problem mit dem Bildungssystem, das sich auf die gesamte Gesellschaft auswirke. Die Übergriffe auf christliche Symbole – wie die Zerstörung eines Kruzifixes im Libanon durch israelische Soldaten – seien ein Ausdruck davon.
Diese Auffassung bestätigte auch Hana Bendcowsky vom Rossing Center für Bildung und Dialog. Die DVHL-Projektpartnerin erläuterte, wie sich ihre Organisation zur Verständigung zwischen Juden und Christen in Israel einsetze. Sie prangerte die zunehmende Gewalt in der israelischen Gesellschaft gegenüber Christen an und betonte, dass sie es als ihre Aufgabe als jüdische Israelin betrachte, sich für die Überwindung dieses Hasses einzusetzen. Hani Boullata vom Orthodox Club in Jerusalem berichtete von zunehmenden Einschränkungen für palästinensische Christen bei der Ausübung der Religionsfreiheit. Er nannte dabei die Zugangsbeschränkungen zu den Osterfeierlichkeiten in Jerusalem, namentlich der traditionellen Feier zur Entzündung des Osterlichts in der Grabeskirche am Karsamstag als Beispiel.
Schließlich berichtete Bashar Fawadleh, der katholische Gemeindepfarrer von Taybeh im von Israel besetzten Westjordanland, von der immer brutaler werdenden Gewalt extremistischer jüdischer Siedler gegenüber Palästinensern. Man habe keine Probleme mit Israelis, die in Frieden leben wollten, wie die guten Beziehungen der Bevölkerung von Taybeh mit der israelischen Siedlung Rimmon in der Nähe des Dorfes zeigten. Aber die radikalen Bewohner der vier neuen Siedlungen rund um das christliche Dorf Taybeh machten dessen Einwohnern das Leben unmöglich. Sie gingen dabei geplant und systematisch vor. Ziel sei es, die Palästinenser von ihrem Land zu vertreiben. Er rief die internationale Gemeinschaft zum energischen Handeln auf, wenn sie verhindern wolle, dass die letzten Christen das Heilige Land verlassen.