Podiumsdiskussion vom Katholikentag

4 Juni, 2026 | Nachrichten & Einblicke

„Das ist ihre Heimat“

Gehen oder bleiben: Die (Zukunfts)Perspektive von Christen im Nahen Osten war Thema einer Podiumsdiskussion beim Würzburger Katholikentag

Christen sind im Nahen Osten „fest verwurzelt“. Das hat Erzbischof Udo Markus Bentz bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Bleiben oder gehen“ während des Katholikentags in Würzburg betont. „Das ist ihre Heimat“. Sie wollten bleiben, erklärte Bentz, der die Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Deutschen Bischofskonferenz leitet. Keiner verlasse leichtfertig die Region. Doch viele würden mit dem Gedanken spielen, die Region zu verlassen. In Taybeh beispielsweise, dem letzten rein christlichen Dorf im Westjordanland, stünden bereits rund 70 Prozent der Häuser leer, sagte Bentz, der zuletzt im Januar im Heiligen Land war. Die Menschen bräuchten eine Perspektive, um zu bleiben.

Reem Akroush - Podiumsdiskussion auf dem Katholikentag in Würzburg 2026
Reem Akroush – Podiumsdiskussion

Das weiß auch Reem Akroush vom Jerusalemer DVHL-Büro. Die sozialen Herausforderungen seien groß, die Armut wachse „in einer riesigen Geschwindigkeit“. Das letzte „gute Jahr“ sei 2019 gewesen. Seit Corona und dem 7. Oktober seien „wir von einer Krise in die nächste geschlittert“, unterstreicht auch Abt Nikodemus Schnabel von der Dormitio-Abtei, „seitdem hatten wir vielleicht acht Monate, in denen die Menschen normal leben und arbeiten konnten.“

Doch es sei nicht nur die Kriegsbedrohung, die die Menschen belasteten, so Reem Akroush, sondern auch die andauernden Unannehmlichkeiten für die Palästinenser: Fehlende Arbeitsgenehmigungen, Kontrollen an den zahlreichen Checkpoints, stundenlange Wartezeiten. „Das ist sehr herausfordernd.“ Umso mehr respektiere sie, wie viele palästinensische Christen sich trotz allem dazu entschieden hätten, in ihrer Heimat zu bleiben. „Schaut man den Menschen ins Gesicht, sieht man: Sie entscheiden sich für das Leben.“ Christliche Familien im Westjordanland und in Gaza würden sehr stark von der Kirche unterstützt. Die kirchlichen Organisationen vor Ort zu unterstützen, bedeute die Christen in der Region zu stärken, betonte Reem Akroush. „Sie geben den Menschen Hoffnung.“ Und das sei wichtig, denn Christen im Heiligen Land seien „Brückenbauer für den Frieden“.

Auch die Kirche im Libanon unterstütze die zahlreichen Flüchtlinge so gut sie könne, berichtet Michel Constantin, Leiter der Päpstlichen Mission für den Libanon. Christen seien neben Sunniten und Schiiten, eine der drei großen Bevölkerungsgruppen im Libanon. Besonders im Süden des Landes seien die Sorgen groß. Dort gerieten die Menschen zwischen die Fronten von israelischer Armee und der Terrormiliz Hisbollah. „Das ist nicht unser Krieg“, so Constantin. „70 Prozent der Libanesen stehen nicht hinter der Hisbollah.“

Lesen Sie einen ausführlichen Bericht zur Podiumsdiskussion im Oktober im nächsten DVHL- Mitgliedermagazin.

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